Labrador Amy zeigt sich demütig nachdem ein Verhalten korrigiert wurde.

Das „Grenzen setzen“ in der Hunderziehung

Immer wieder hört man von deeskalierenden Signalen in der Kommunikation unter Hunden oder in der Hund Mensch Kommunikation. Diese werden eingesetzt um zu beschwichtigen und in einer sozialen Konfliktsituation für Entspannung zu sorgen.

Sicher sind diese Signale wichtig um eine Beziehung im sozialen Sinne zu stabilisieren. Allerdings finde ich es genauso wichtig eine Eskalationsbereitschaft seitens des Menschen zu zeigen, damit der Hund letztendlich gesetzte Grenzen einhält und diese auch als ernst zu nehmen wahrnimmt.

Eine Beziehung zwischen Mensch und Hund kann sicherlich auf dem Prinzip Kooperation beruhen. Bevor es aber in einer Beziehung zu Kooperation kommt, gehört das Abstecken der persönlichen Grenzen dazu. Eine Dominanzbeziehung zu Gunsten des Menschen sollte die Basis einer jeden individuellen Mensch-Hund-Beziehung sein. Das Etablieren einer solchen Basis schafft den Rahmen in dem sich der Hund in unserer Gesellschaft bewegen darf und mit unserer Umwelt interagiert. Dies impliziert natürlich, dass der Umgang des Hundes mit seiner Umwelt stark von seiner interagierenden Bezugsperson abhängig ist.

Wann hält der Hund eine Grenze richtig ein?

In den meisten Fällen geht es um Interessenkonflikte zwischen Mensch und Hund. Der Hund möchte etwas oder möchte einem inneren Impuls folgen, der von diversen Aussenreizen aktiviert wird und seine Bezugsperson hat etwas dagegen.

Grundlegend beim Einhalten einer gesetzten Grenze ist, dass der Hund offensichtlich zeigt, dass er sie einhalten kann. Dies hat in der Regel mit beschwichtigenden Signalen des Hundes zu tun oder sogar mit gezeigtem Meideverhalten bezüglich der Situation. Also wenn der Hund nach dem Setzen einer Grenze nicht deeskalierende Signale sendet oder gar das Objekt des Interesses meidet, dann hat er das ganze nicht wirklich ernst genommen.

Wie ist es also mit dem Grenzen setzen?

Viele Hundebesitzer finden es schwierig richtig auf Fehlverhalten des Hundes zu reagieren. Dabei kann es recht einfach sein, seinem Hund zu vermitteln, dass er dabei ist eine Grenze zu überschreiten oder nicht einzuhalten.

Um in der späteren Interaktion mit seiner Bezugsperson nur noch auf verbale Signale zu reagieren, sollte der Hund die Ernsthaftigkeit seines Menschen erlebt und verinnerlicht haben. Dadurch entsteht die Glaubwürdigkeit die eine Bezugsperson braucht um später sich nur auf verbale Abbruchsignale verlassen zu können. Es wird allerdings immer wieder Reizsituationen geben in denen der Hund seine Interessen über die des Hundebesitzers stellen wird. Oder einfach bei gewissen Aussenreizen eine schlechtere Impulskontrolle aufweist.

Nein heisst Nein und das auch wirklich…!

Wenn du nach dem Prinzip einer Ampel verfährst dann wird dein Hund schnell und zuverlässig deine Ernsthaftigkeit und damit auch deine Glaubwürdigkeit akzeptieren und in den meisten Fällen richtig auf deine Abbruchsignale reagieren.

Grün…

Ist die Phase in der dein Hund augenblicklich reagiert wenn du ein Abbruchsignal sendest. Meistens sind das Situationen in denen dein Hund wenig Interesse an etwas hat. Es ist ihm also nicht so wichtig oder interessiert ihn nur wenig. Er hat auch vielleicht in einem anderen Kontext gelernt dass es dir bezüglich des Themas wirklich ernst ist und er es gar nicht erst versuchen braucht. (Das funktioniert meistens erst dann wenn du die anderen Phasen der Eskalation mit ihm durchlaufen hast.) Demnach steht diese Phase zu einer Zeit an, in der dein Hund dich als glaubwürdig empfindet und er gelernt hat, dass bei gewissen Abbruchsignalen eine Drohkulisse besteht, die es gilt zu respektieren oder gar zu meiden.

Gelb…

Dies ist die Phase in der du die Handlungsbereitschaft zeigst dich durchzusetzen. Also die eigentliche Drohkulisse aufbaust um deinem Hund zu vermitteln, dass das was er vorhat oder gerade tut nicht wirklich erwünscht ist. Dies geht nicht nur mit einem strengeren Ton einher, sondern auch mit einer deutlichen (leicht bedrohlichen) Körpersprache in Richtung deines Hundes. Den Zeigefinger drohend zu erheben reicht meist nicht aus. 😉 Oft hilft auch die Verkürzung der Distanz zwischen dir und deinem Hund um zu verdeutlichen, dass du es ernst meinst.

Rot…

In dieser Phase bist du nicht nur handlungsbereit, sondern du handelst und sorgst dafür dass dein Hund auch wirklich abbricht was er gerade tut oder vor hat zu tun. Neben dem nochmaligen verbalen äussern des Abbruchsignals, bist du mit einer Einwirkung am Hund die dazu führt, dass er augenblicklich abbricht und dir mit einem Beschwichtigungssignal zeigt dass er verstanden hat. Die Einwirkung sollte natürlich der Situation und der grundlegenden Persönlichkeit des Hundes angemessen sein. Nur weil der Hund sich nicht gleich setzt, brate ich ihm nicht eins mit der Leine über. Dem vorwärts orientiertem aggressiven Hund kann ich aber ruhigen Gewissens mit einem Leinenruck begegnen oder einer ähnlich heftigen Einwirkung von aussen damit er sein Verhalten abbricht.

Am Anfang ist es hilfreich die Phasen der Eskalation recht schnell zu durchlaufen. Der Übergang von Gelb zu Rot sollte recht schnell herbei geführt werden wenn der Hund dich grundlegend als nicht glaubwürdig empfindet und wahrnimmt. Sollte dein Hund versuchen sich der Situation zu entziehen sind Hilfsmittel wie eine Schleppleine hilfreich um dich durchzusetzen.

Umgang mit Lob oder Bestätigung

Ein Lob oder Auflösen ins Positive nach Abbruch seitens des Hundes ist nicht immer nötig. Insbesondere nicht wenn du zu gleichen Themen immer wieder in der Rotphase bist und dein Hund sich schwer tut deine Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit zu verinnerlichen. Ein „Sackenlassen“ deines Führanspruchs und deiner Ernsthaftigkeit kann in zukünftigen Situationen helfen schneller ein Abbruch herbei zuführen.

Wichtig ist dennoch dass in dem Moment wo dein Hund versucht eine Versöhnung zwischen dir und ihm zu erwirken du auf ihn positiv eingehst und ihn nicht ignorierst. Diese positive Bestätigung eures Beziehungsstatus ist nötig, um eure grundlegende Beziehung zueinander nicht zu gefährden. Ein ewiges Nachtragen gewisser Grenzüberschreitungen hat noch nie jemanden in einer sozialen Beziehung geholfen sondern eher geschadet.

Training unter kontrollierten Bedingungen

Ein bewußt angesetztes Training kann am Anfang helfen deinem Hund das Prinzip deines Führanspruchs zu vermitteln. Dabei suchst du dir am Anfang belanglose Themen aus, bei denen du Trainingssituationen konstruierst um das Abbruchsignal zu konditionieren. Mit der Zeit steigerst du dich und setzt dich in anspruchsvollen Interessenkonflikten durch.

Bei allem konstruiertem Training muss es nicht unbedingt heissen, dass dein Hund das Einhalten deiner Abbruchsignale im Alltag zeigt. Während du in konstruierten Trainingssituationen immer konzentriert bist, die Umgebungsbedingungen meist optimal sind, so ist es im Alltag oft was anderes. Das ist ganz normal und heisst eigentlich nur dass du in Alltagssituationen dich schneller und manchmal etwas vehementer durchsetzen musst.

Führanspruch im Alltag

Die echte Impulskontrolle und damit auch der glaubwürdige Führanspruch entsteht nicht in konstruierten Trainingssituationen. Die echte Impulskontrolle wird gelernt wenn es um alltägliche Dinge geht in denen du nicht im Thema drin bist aber die Fähigkeit besitzt auf die meisten Konfliktsituationen angemessen und augenblicklich zu reagieren.

Durch das Wahrnehmen der meisten alltäglichen Situationen in denen es auf die erlernte Impulskontrolle ankommt, wird dein Hund auf Dauer verstehen was du als unerwünschtes Verhalten empfindest und dem entsprechend Reaktionen zeigen. Welche das sein werden hängt allein von dir ab. Es gibt leichte und weniger leichte Themen, denen du dich stellen solltest. Mit der Zeit stellt sich eine Routine ein, im Zuge dessen konditionierst du dich selber auf Auslöser um augenblicklich auf deinen Hund Einfluss zu nehmen.

Bei allem Training gibt es Grenzen…

Es gibt Hunde denen manche Themen ziemlich wichtig sind. Wo eine Impulskontrolle nicht gezeigt werden kann. Egal wie heftig auf den Hund eingewirkt wird. Das zu erkennen ist nicht einfach. Einhergehend mit dieser Erkenntnis kann in diesen Fällen nur ein vernünftiges Management des Verhaltens helfen, denn Abbrüche durch den Hund sind dann nicht zu erwarten. Diese Themen sind oft Jagdverhalten, Futterverweigerung, unangemessene Aggression gegenüber Umwelteinflüssen. Im Allgemeinen sind es Themen die mit einer schnellen und hohen Erregung (bis hin zur Hysterie) zu tun haben.

Wenn du im Training nicht weiter kommst, suche dir professionelle Hilfe, die sich mit dieser Art des Trainings auskennt. Wenn es nicht deins ist, dann ist das auch okay. Wichtig ist, dass du authentisch bleibst und andere Wege findest, die Impulskontrolle deines Hundes zu fördern.

Solltest du Fragen zu diesem Thema haben, würde es mich freuen wenn du mich kontaktierst. Dies kannst du gerne per Mail tun. Hier geht es zu den Kontaktmöglichkeiten.

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