Zuverlässiges Zurückkommen des Hundes

Während es im ersten Teil um die Rahmenbedingungen und im zweiten Teil nur um die Orientierung an dir ging, geht es im dritten Teil des Trainings um das zuverlässige Zurückkommen auf Aufforderung.

Das hier beschriebene Training ist auf nicht kooperative Hunde ausgerichtet, nur geeignet wenn der Hund physisch gesund ist und die Beziehung zwischen dem Hund und seinem Menschen ein vernünftiges Fundament aufweist. In vielen anderen Fällen gibt es geeignetere Methoden um ein grundsätzliches Rückruftraining aufzubauen.

Definition: zuverlässiges Zurückkommen

Der zuverlässige Rückruf sieht vor, dass dein Hund, spätestens nach der 2. Aufforderung zu dir zu kommen, sich in deine Richtung bewegt. Ohne Umschweife oder Umwege über andere Koordinaten die zwischen euch liegen. Dies mag nicht immer auf Gegenliebe stoßen wenn du deinen Hund zurück rufst aber darum geht es ja im Prinzip (Zuverlässigkeit, Erziehung) auch nicht.

Um dieses Verhalten zu zeigen ist es wichtig, dass dein Hund weiß was er tun soll wenn du ihn aufforderst zurückzukommen. Ein Hörzeichen zum Zurückkommen sollte auf positiven Wege konditioniert sein. Er sollte daher grundsätzlich freudig zu dir kommen und eine Belohnung erwarten. Die Belohnung muss nicht immer aus Futter bestehen, darf auch mal ein Spiel (ohne Spielzeug) oder Kuscheln mit dir sein.

Auch wenn der Rückruf positiv aufgebaut wurde, so gibt es genug Gelegenheiten diesem nicht zu folgen (siehe Intro). Irgendwas kann immer sein, dass dazu führt nicht direkt zu dir zu kommen. Selbst wenn dein Hund sich ansonsten unter Ablenkung an dir orientiert. 

Abbruch von unerwünschtem Verhalten

Ein Abbruchsignal ist in der Regel sehr hilfreich wenn es darum geht die Zuverlässigkeit in einem Verhalten zu etablieren. Wir treten damit dann in die hohe Kunst der Erziehung ein. Das Einhalten von Grenzen durch das Erleben von negativen Konsequenzen bei Nichteinhaltung.

So solltest du dein Abbruchsignal mit Hilfe der Schleppleine trainieren. Damit kannst du deinen Hund die negative Konsequenz bei nicht Befolgung deines Rückrufsignals erleben lassen. (Nebenbei baust du so eine Drohkulisse auf, die sich generell einsetzen lässt, wenn dein Hund primäre Hörzeichen nicht ausführen möchte obwohl er es sollte.) Anders gesagt, wenn er nicht zu dir kommt obwohl du ihn aufgefordert hast, blockiere sein Verhalten mit einem Leinenimplus (Leinenruck) solange bis er sich wieder in deine Richtung bewegt. Sobald er das tut folgt dein Hörzeichen zum Herankommen und das Lob solange er sich auf dich zu bewegt.

Von der Abfolge klingt es dann in etwa so: Bello „Komm“, ja Supi, feiner Bello… Bello „Nein“ (Leinenimpuls-e bis er von seiner Ablenkung ablässt), Bello „Komm“, feiner Bello… usw.

Der Leinenimpuls sollte sich in der Intensität der Ablenkung des Hundes anpassen. Der Impuls darf weder zu gering noch zu hart sein. Auf jeden Fall, darf er eine kleine Stressreaktion im Hund auslösen (meistens ein Schlecken über die Schnauze). In der Intensität darf der Impuls auch gesteigert werden, bis hin dass er in einem Ruck endet. Dies ist allerdings von der Ablenkung/Ignoranz des Hundes abhängig.

Hinweis: Der Leinenimpuls/Leinenruck sollte nur bei Hunden angewendet werden, die körperlich gesund sind. Bei Verletzungen der Wirbelsäule oder des Bewegungsapparates kann es zu Komplikationen kommen wenn diese Methodik angewandt wird.

Sobald dein Hund sich wieder in deine Richtung bewegt, motiviere ihn mit deinem Verhalten weiter zu dir zu kommen. Verbales Lob während er zu dir kommt ist hilfreich, die Erhöhung der Distanz fördert deine Attraktivität, letztendlich tut es auch ein Griff in die Tasche um ihm zu zeigen, dass eine Futterbelohnung auf ihn wartet. Das Futter sollte aber nach einer gewissen Zeit wieder abgebaut werden, denn sonst bleibst du bei der Bestechung deines Hundes, was nur kurzfristig funktioniert.

zuverlässiges Zurückkommen des Hundes im Freilauf mit Hilfe der Schleppleine

Vermeide im Umkehrschluss Verhaltensweisen, die deinen Hund blockieren könnten. Beuge dich, z.B., nicht nach vorne um deinen Hund zu empfangen. Das kann nach Einsatz und Durchsetzen eines Abbruchsignals eher hemmen als motivieren. Gehe ihm nicht entgegen, das führt in den meisten Fällen zum Abbruch seines Verhaltens. Lass ihn eher bis auf den letzen Zentimeter zu dir kommen. Verlange nicht gleich das nächste Verhalten wenn er dann da ist. Ein sofortiges Einfordern eines „Sitz“ kann sehr demotivierend wirken und zukünftige Zuverlässigkeit ausbremsen.

Am Ende steht das Ausschleichen der Hilfsmittel. 

Wenn also alles klappt und dein Hund auf Zuruf recht zuverlässig zu dir kommt, dann ist es an der Zeit die Hilfsmittel auszuschleichen. 

Das Ausschleichen der Hilfsmittel ist eine recht einfache Sache. Die Leckerlis gibst du nur noch variabel nach dem Zufallsprinzip. Die Häufigkeit der Leckerlis ersetzt du mit sozialem Kontakt zu dir, bis hin dass dein Hund sich nach dem er zu dir kommt wieder entfernen darf.

Die Schleppleine kannst du durch Abschneiden ausschleichen, jeden Tag 5cm. Sollte es Phasen im Leben deines Hundes geben in denen er sich stur zeigt, kann das Ausschleichen ausgesetzt werden. Am Ende hast du eine Schleppeine die nur noch 1-2 Meter lang ist und hast für das Ausschleichen im optimalen Fall ca. 3 Monate (100 Tage) gebraucht.

Mit konsequentem Training, gutem Timing bei der Korrektur und der richtigen Motivation beim Zurückkommen zu dir, wird dein Hund recht schnell erlernen zuverlässig zu dir zurückzukommen. 

Solltest du Fragen haben, würde ich mich freuen wenn du mich kontaktierst. Einen Termin zur Einzelstunde  können wir über diesen Weg auch vereinbaren.

Viel Erfolg beim Training, Chima

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