Übungsspaziergang an der Schleppleine

Rückruftraining mit dem Hund – Die Orientierung an dir

In dem Beitrag: Der zuverlässige Rückruf des Hundes, die Rahmenbedingungen habe ich die Bedingungen beschrieben die dein Hund und du erfüllen sollten, damit das mit dem zuverlässigen Rückruf auch klappt. In diesem Beitrag legen wir die Basis für das eigentliche Rückruftraining. Ohne Orientierung an dir wird der Rückruf nicht zuverlässig werden. Dies gilt besonders für Hunde die wenig oder sogar gar nicht kooperativ sind.

Hilfsmittel

Als Hilfsmittel dient zum Training eine 5m lange Schleppleine. Sie sollte in der Breite und Gewicht der Grösse des Hundes angepasst sein. Ich bevorzuge da Leinen aus Biothane®. Das Material gibt es in verschiedenen Breiten, lässt sich schnell säubern und hat eine hohe Belastungsfähigkeit. Werbung: Solltest du eine Schleppleine benötigen findest du welche in meinem Onlineshop unter www.myaband.de.

Kommen wir nun zur Methodik. Am Anfang steht die Wiederherstellung der Orientierung am Menschen. Dazu ist es wichtig alte Routinen loszulassen, deinen Hund nicht mehr zu rufen wenn er sich zu weit entfernt möchte. Ständiges Ansprechen vermittelt deinem Hund, dass du dich an ihm orientierst. Eigentlich sollte es ja umgekehrt sein.

Wiederherstellung der Orientierung an dir
Teil 1 – Leine in der Hand

Nimm die Leine lose in die Hand und gib deinem Hund Raum sich zu entfalten und zu entfernen. Dabei sollte die Schleppleine immer Bodenkontakt haben. Sobald sich die Leine vom Boden abhebt, solltest du an dieser ein Signal geben um deinem Hund das weitere Entfernen zu blockieren. Als Signal eignet sich immer ein Impuls/Ruck über die Leine, der dazu führt dass sich dein Hund zu dir umdreht. Genau dieses Umdrehen bestätigst du verbal und lobst ihn für die Kontaktaufnahme. 

Am Anfang ist es hilfreich, dass du bei dieser Aktion stehen bleibst. Das hilft deinem Hund zu verstehen, dass du deine Koordinaten (hier die Geschwindigkeit) verändert hast. Später reicht es dass du etwas langsamer gehst oder ihn nur aufforderst sich wieder anzupassen.

Den Leinenimpuls gibst du gerade in der Anfangsphase ohne vorher ein verbales Signal zu senden. Du willst ja deinem Hund vermitteln dass es nicht mehr so läuft wie bisher. Mit ihm zu reden wäre hier nicht hilfreich. Erst wenn er anfängt auf deine Verhaltensveränderung selbstständig einzugehen und auf die Veränderung deiner Koordinaten reagiert ohne aufgefordert zu werden, baust du ein Hörzeichen ein. Du kannst verschiedene Hörzeichen nutzen, die deinem Hund vermitteln, was er jetzt tun soll. Beispiele: „Langsam“, um die Geschwindigkeit zu reduzieren, „Weiter“, um sich anzuschließen wenn du an ihm vorbei gehst, „Stopp“, um augenblicklich anzuhalten, „Warte“, um auf dich zu warten. Oder andere Hörzeichen, die dir als sinnvoll erscheinen.

Die Hörzeichen gilt es auch von Anfang an durchzusetzen. Warte nicht ob dein Hund so freundlich ist ohne eine Einwirkung von dir auf dich einzugehen. Setze erstmal voraus, dass er es nicht tut. Erst mit der Zeit wird er dir zeigen, dass es auch ohne Leinenimpuls geht, denn er wird deine Hörzeichen immer besser umsetzen.

Die selbstständige Anpassung an dein Verhalten zeigt dir dass er sich an dir orientiert. Dazu muss er physisch nicht ständig bei dir sein. Aber mental wird er sich mehr und mehr an dir orientieren um darauf zu achten ob du dein Verhalten änderst. Hinzu kommt, dass dein Hund sich öfter an dich wenden wird wenn er etwas möchte.

Anmerkung

Bei diesem Teil des Trainings bestimmst ausschließlich du den Radius/die Entfernung den/die dein Hund sich nehmen darf. In der Regel beläuft sich die Distanz auf 2-4,5m. Wenn du den Rest der Leine trägst, gib sie nicht einfach so frei wenn dein Hund sich von dir entfernt. Sorge erst dafür dass er bei dir anfragt vor dem Entfernen. Dazu nutze wieder den Leinenimpuls (wenn nötig auch mehrere) bis er sich umdreht und dich anschaut. Erst wenn dein Hund sich an dir orientiert hat gib auch den Rest der Leine frei.

Trainiere die Orientierung an dir nicht nur wenn euch nichts ablenkt. Nutze verschiedene Umgebungen und Bedingungen um darin zu trainieren. Ohne Ablenkung kann das jeder und so ist ja unser Alltag meistens nicht.

Umgang mit Begegnungen der verschiedensten Arten.

Bis jetzt hast du nur an der Orientierung an dir gearbeitet. Ein Rückruf war bisher nicht eingeplant. Dennoch kommen im Alltag genug Situationen auf, in denen dein Hund bei dir sein soll. Sei es Hundebegegnungen oder Begegnungen mit anderen Menschen. Gerade am Anfang des Training ist es aber fatal in alte Muster zu verfallen. Da du die Leine in der Hand hältst, kannst du ein Weglaufen, hin zum Gegenüber, sofort vereiteln. Ein „Stopp“-Signal ist dabei wichtig. (Das ist der einzige Grund ein Hörzeichen augenblicklich zu nutzen). Ohne weitere Worte trittst du an deinen Hund heran und wartest bis die Begegnungen vorbei sind.

Hundebegegnungen

Soll dein Hund spielen dürfen, nimm die Leine nicht ab. Entweder mit Leine spielen oder gar nicht. Mit anderen Hundefreunden triffst du dich in dieser Phase des Trainings besser auf einer eingezäunten Hundewiese damit sie mal toben können und freien Kontakt zu Artgenossen haben. Die eingezäunte Hundewiese stellt dann ein Ort dar an dem andere Regeln herrschen als im Alltag.

Wiederherstellung der Orientierung an dir
Teil 2 – Leine schleppt auf dem Boden. Der Übergang zum zuverlässigen Rückruf ohne Leine in der Hand

Nach dem dein Hund sich im Radius von 2-4,5m gut an dir orientiert, ist es an der Zeit die Kontrolle der Leine aus der Hand zu geben. Während du im ersten Teil die Leine immer in der Hand hattest, soll sie sich jetzt auf dem Boden befinden. 

Bis hierhin hast du schon die Hörzeichen mit Hilfe der Leine trainiert, dein Hund reagiert zufriedenstellend darauf und orientiert sich vielleicht auch schon unter stärkerer Ablenkung an dir. Oder fragt im besten Fall häufig nach einer Strategie um mit bestimmten Situationen in der Umwelt umzugehen.

Am Umgang mit deinem Hund ändert sich zum ersten Teil eigentlich nichts. Die Unterschiede bestehen jetzt darin, dass dein Hund und die Leine sich ausserhalb deines direkten Zugriffs befinden. Also die Distanz zu dir grösser wird. 

Da du jetzt die Leine nicht mehr in der Hand hast, kann es passieren, dass dein Hund wieder versucht „sein“ Ding zu machen. Das ist okay immerhin muss er die augenblickliche Konsequenz auf sein Verhalten nicht mehr annehmen. 

Gerade jetzt ist es wichtig dass deine Handlungsbereitschaft Grenzen durchzusetzen nicht nachlässt. Wenn sich dein Hund also auf einer grösseren Distanz zu dir verselbstständigt, ist es nötig mit Hilfe deiner Hörzeichen das Einhalten der Grenzen einzufordern. Wenn das nicht hilft, nimmst du für einen kurzen Moment die Leine wieder auf um mittels Leinenimpulse deinem Anliegen Nachdruck zu verleihen. (Oftmals musst du erst ans andere Ende der Leine gehen um die Leinenimpulse zu setzen.)

Wenn du auf Nummer sicher gehen möchtest, kannst du auch die Entfernung zu dir durch ein Treten auf die Leine regeln. So gewöhnt sich dein Hund an das Bild, dass du die Leine nicht mehr in der Hand hältst aber die Zügel nicht abgeben hast.

Fazit…

Durch dein konsequentes Handeln und Durchsetzen deiner Bedingungen wird dein Hund seine Bereitschaft zu Kooperation mit dir erhöhen.

Gerade bei unkooperativen Hunden stellt die Orientierung an dir ein wesentlichen Bestandteil beim Rückruf dar. Erst wenn sich dein Hund zuverlässig an dir orientiert und auch unter stärker Ablenkung auf dich reagiert, macht es Sinn das eigentliche Rückruftraining, mit dem nicht mehr so unkooperativen Hund,  zu beginnen.

Diese Anleitung stellt ein sehr allgemeines Konzept zur Wiederherstellung der Orientierung dar. Der Teufel steckt oft im Detail und ein erfolgreiches Training ist von vielen Faktoren abhängig. Diese Form des Führanspruch bedingt auch das Vorhandensein einer gewissen Führkompetenz oder zumindest die Entwicklung dieser Führkompetenz für den eigenen Hund. Es ist allerdings nicht schwer wenn man sich auch immer selbstkritisch betrachtet und beim nächsten Spaziergang Veränderungen an seinem Verhalten an den Tag legt, die dem Hund mehr Klarheit im eigenen Tun vermitteln.

Solltest du Fragen haben, würde ich mich freuen wenn du mich kontaktierst. Einen Termin zur Einzelstunde  können wir über diesen Weg auch vereinbaren.

Viel Erfolg beim Training, Chima

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