Schleppleinentraining mit freilaufenden Labrador

Der zuverlässige Rückruf des Hundes, die Rahmenbedingungen

Es kommt in jeder Mensch-Hund-Beziehung zu dem Problem, dass der zuverlässige Rückruf des Hundes nicht mehr funktioniert. Sei es, dass der natürliche Nachlaufmechanismus des jungen Hundes aufhört und der Hund versucht seine eigenen Wege zu gehen. Oder er sich in seiner Umgebung sicher genug fühlt und benötigt den Rückhalt seines Zweibeiners nicht mehr wirklich. Die Welt da draussen so spannend geworden ist, dass „hund“ sich in seiner Welt verliert und seinen Menschen nicht mehr wahrnimmt/wahrnehmen kann.

Egal wie zahlreich die Gründe für den mangelnden Rückruf sein mögen, allen liegt zugrunde, dass der Hund sich nicht mehr an seinem Besitzer orientiert. Mit dem Verlust der Orientierung am Menschen (dem Erhöhen des Außenfokus’) geht das Eintauchen in seine eigene Welt einher und die Einflussnahme durch den Hundebesitzer wird immer geringer.

Das kann dahin führen, dass der Hund sich konsequent verselbstständigt und am Ende nur noch an der Leine geführt werden kann und beim Zweibeiner Frust entsteht weil der Zugriff auf den Hund fehlt.

Viele angebotenen Methoden zur Wiederherstellung des zuverlässigen Rückrufs arbeiten ausschließlich mit der positiven Verstärkung und ohne ernsthafte äusserliche Einflussnahme durch den Besitzer. Das heisst der Besitzer wartet bis der Hund ein entsprechendes Verhalten zeigt und bestätigt dieses.

Wenn auch das Prinzip der positiven Verstärkung im Hundetraining in vielen Fällen erfolgreich ist, so ist es leider nicht nachhaltig zuverlässig und der Hundebesitzer stösst irgendwann an die Grenzen des Machbaren. Hinzu kommt noch, dass den meisten Menschen die Zeit fehlt um darauf zu warten, dass der Hund sich einem zuwendet (den Innenfokus wiederherstellt) um ihn dann im rechten Moment zu bestätigen.

Bedingungen für den Freilauf des Hundes

Soll der Hund frei laufen dürfen, sollten einige grundsätzliche Bedingungen seitens des Hundes erfüllt werden um das Vertrauen seines Besitzers zu bekommen damit er sich entfernen kann.

  1.  Generelle Orientierung – der Hund hat gelernt auf bestimmte Verhaltensweisen seines Zweibeiners schon automatisch zu reagieren. Dabei geht er fast eigenständig auf Tempowechsel und Richtungswechsel ein ohne ständig dazu aufgefordert werden zu müssen. Dazu gehört auch das „Nachfragen“ wenn etwas oder jemand auf ihn und den Besitzer zukommt. (Rücksprache halten)
  2. Reaktion auf direkte Ansprache – der Hund zeigt fast augenblicklich eine Reaktion wenn er angesprochen wird. Dies ist natürlich auch von der reizgebenden Situation und Umwelt abhängig. Zeigt sich der Hund stark abgelenkt weil ihn etwas dringend interessiert, wie zum Beispiel andere Artgenossen, oder ist er nur unwesentlich abgelenkt weil gerade nichts los ist.
  3. Einhalten von geforderten Grenzen – Sollte sich der Hund dazu entscheiden der Aufforderung zurückzukommen nicht folge zu leisten, sollte er gelernt haben auf verbale Abbruchsignale seitens des Besitzer zuverlässig reagieren zu müssen. Auch dies ist von der Reizsituation abhängig, je höher der Aussenfokus und die Anspannung des Hundes, desto mehr sollte der Hundebesitzer eskalationsbereit sein. Anders gesagt desto strenger darf das „Nein“ geäussert werden und um so handlungsbereiter sollte sich der Besitzer zeigen dieses „Nein“ auch durchzusetzen. Bis hin dass es durchgesetzt wird.
  4. Herankommen ohne Umschweife – Der Hund sollte gelernt haben, dass es sich lohnt direkt zum Hundebesitzer zurück zu kommen. Potentiellen Ablenkungen wird sich nicht ergeben sondern der Weg führt direkt zum Hundebesitzer. Hier hilft die positive Verstärkung tatsächlich.
  5. Warten bis zur Freigabe – Der Hund hat gelernt zu warten bis der Besitzer eine Freigabe zum Entfernen gibt. Auch hier gilt dass die Kontaktaufnahme (das Nachfragen) seitens des Hundes initiiert wird. Im optimalen Fall schaut der Hund seinen Besitzer an und bekommt dadurch die Freigabe.

Schleppleinentraining mit Tibet Terrier

Voraussetzungen die Hundebesitzer erfüllen sollten

Natürlich gibt es auch Bedingungen die der Besitzer erfüllen sollte, damit sich sein Hund an ihm orientieren kann und lernt, dass es sich lohnt dies zu tun.

  1. Antwort geben auf Nachfragen – Es nützt nichts wenn sich der Zweibeiner in seiner eigenen Welt befindet. Oft wird telefoniert, sich mit Begleitpersonen unterhalten oder den eigenen Gedanken nachgehangen und man verpasst gerade die subtilen Momente in denen der Hund sich an einem orientiert. Besser ist es gerade am Anfang eines Trainings das Nachfragen durch mindestens freundliche Worte zu beantworten. Dadurch lernt der Hund das es sich lohnt Kontakt aufzunehmen und zu halten.
  2. Senden der richtigen Signale – Häufig beobachte ich wie der Mensch seinen Hund ruft und anstatt stehen zu bleiben sich weiter in dieselbe Richtung wie der Hund bewegt. Oft versteht der Hund nicht warum er kommen soll, wo sich im Verhalten seines Menschen nichts verändert. Hinzu kommt dann oft noch das vorne über gebeugt sein wenn der Hund dann auf den Besitzer zu kommt. Eine freundliche motivierende Stimme animiert ihn zwar direkt zurück zu kommen aber die Körperhaltung verhindert letztendlich, dass der Hund an einen herantreten möchte. Eine Veränderung der Körperhaltung in eine aufrechte Position ermöglicht es dem Hund meistens das Herantreten an den Menschen. (Der Mensch öffnet sich noch mehr wenn er in die Hocke geht um seinen Hund anzunehmen.) Dazu gehört auch, den Hund nicht auf dem letzten Meter falsch zu konditionieren. Viele strecken Ihrem Hund das Leckerli auf dem letzten Meter entgegen und konditionieren den Hund darauf immer an der Position die Belohnung zu erwarten. Wenn es dann darauf ankommt, bleibt der Hund auf Abstand stehen (er hat es ja nicht anders gelernt) und der Frust beim Menschen ist dann gross weil der Hund sich dem letzten Einfluss seines Menschen entzieht. Das kann wiederum zum Meiden des frustrierten Hundebesitzers führen.
  3. Konsequentes Verhalten gegenüber dem Hund – Dies ist allgemein wichtig wenn es um die Zuverlässigkeit des Hundes geht. Dabei geht es nicht nur darum sich konsequent durchzusetzen, sondern auch darum sich für den Hund berechenbar zu Verhalten. Im Sinne des Führanspruch sollte nicht nur jetzt etwas eingefordert werden. Auch in einer ähnlichen Situation sollte ich meine Forderungen stellen auch wenn es einem nicht so wirklich wichtig erscheint. Eine Differenzierung zwischen jetzt darf ich und jetzt nicht erfolgt wenn dann erst nach einer Generalisierung von einem gewünschten Verhalten. Bis dahin sollte auch der Hundebesitzer sich zuverlässig in seinen Forderungen zeigen.

Nachdem nun klar geworden sein sollte, dass es nicht immer nur am Hund liegt, sondern auch der Mensch sich prüfen muss, werde ich im nächsten Teil die praktische Umsetzung des Trainings zum zuverlässigen Rückruf beschreiben.

Solltest du jetzt schon Fragen haben oder einen Termin benötigen stehe ich gerne zu deiner Verfügung. Hier geht es zu den Kontaktmöglichkeiten.

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